Ec Die Adler Kitzbühel

„Ich hoffe schon, dass ich ein Abo geschenkt bekomme“

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Seit den Miniknaben gab es für ihn nur einen Verein: den EC Kitzbühel. Nun sagt Kevin Wirl „Pfiat eich“ und widmet sich seinem Beruf. Der Zeitaufwand in der AHL wurde einfach zu groß. Im Interview zieht der beliebte Flügelstürmer aus St. Johann ein Fazit über sein Leben als Adler mit Triumphen, Pleiten und Konsequenzen.

Unglaubliche 14 Saisonen hielt der St. Johanner Kevin Wirl seinen Adlern die Treue. In dieser Zeit bestritt er 413 Spiele, 109 davon in der Alps Hockey League, erzielte dabei 75 Treffer und leistete 109 Vorlagen. Nun war es für den 30-Jährigen Zeit Österreichs zweithöchster Liga „Pfiat di“ zu sagen. Dem Eishockey und den Adlern möchte Kevin Wirl allerdings auch in Zukunft verbunden bleiben.

Kevin, du bist erst 30 Jahre jung. Warum hast du heuer deinen Rücktritt erklärt?
KEVIN WIRL: Ich trete nicht vom Eishockey zurück, diesen Sport werde ich auch weiterhin liebend gerne ausüben. Aber der Aufwand in der Alps Hockey League ist mittlerweile enorm hoch – nebenher ist das kaum noch zu verwirklichen. Bis 17 Uhr zu arbeiten und um 17.15 Uhr in der Eishalle sein zu müssen, führt einen an die Grenzen der Belastbarkeit und lässt kaum noch Zeit für etwas Anderes.

Vielleicht weiß nicht jeder Adler-Fan, welchem Beruf du nachgehst.
KEVIN WIRL: Wir haben eine industrielle Großwäscherei daheim in St. Johann und da bin ich im Verkauf und in der Geschäftsführung. Die Arbeit wird nicht weniger. Letzte Saison war es schon sehr knapp, dass sich alles immer ausgegangen ist. Außerdem funktioniert es nicht mehr, dass du zum Training kommst, den Kopf abschaltest und alle sind zufrieden. Das Niveau der Liga ist inzwischen so hoch, dass du auch beim Training immer deine Leistung bringen musst. Das ist halt schwierig, wenn du den ganzen Tag gearbeitet hast – vor allem psychisch.

Wie geht es dir nach dem ersten Sommer ohne Eishockey-Vorbereitung? Geht dir schon etwas ab?KEVIN WIRL: Bis jetzt geht mir nichts ab, dafür ist das Wetter auch noch zu sommerlich. Aber ich bin mir sicher, dass die Zeit kommen wird, in der ich etwas vermissen werde. Und, wie gesagt, ich habe nur meine Karriere in der Alps Hockey League beendet, nicht die als Eishockey-Spieler.

Gibt es etwa schon einen neuen Verein?
KEVIN WIRL: Nein, es gibt gar nichts. Ich habe mit niemandem gesprochen und forciere das auch überhaupt nicht. Einzig Kitzbühel habe ich mich angeboten, dass ich mit ihnen weiterhin trainiere, sollten sie jemanden brauchen. Und sollte den Kader der Adler eine Verletzungsserie heimsuchen, springe ich natürlich auch gerne ein.

Hast du Erinnerungen an dein letztes Spiel am 14. März 2019 gegen Ritten?
KEVIN WIRL: Überhaupt nicht. Ich weiß nicht einmal, wie es ausgegangen ist.

3:7 war der Endstand.
KEVIN WIRL: 3:7? Dann sollte ich vielleicht wirklich noch ein Spiel auflaufen (lacht). Nein, es gab keinen Moment, in dem ich gedacht habe: Das ist mein letztes Powerplay oder das ist mein letztes Drittel. Ich habe mich immer aufs Spiel konzentriert.

Hast du eigentlich dein gesamtes Sportlerleben beim EC Kitzbühel gespielt?
KEVIN WIRL: Angefangen hab ich in St. Johann, aber von den Miniknaben weg war ich immer in Kitzbühel.

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Was war dein größter Moment in den Jahren bei den Adlern?
KEVIN WIRL: Natürlich die Titel, die wir gewonnen haben – ganz egal, in welcher Liga. Und das allererste Spiel in der 2. Liga zuhause gegen Bregenzerwald. Das haben wir auch noch in der Overtime gewonnen. Über diesen Auftaktsieg in der neuen Liga hab ich mich vielleicht sogar noch mehr gefreut, als über die Titel.

Was waren sportlich die größten Unterschiede nach dem Aufstieg in die 2. Liga?
KEVIN WIRL: Es ist das Spiel schon um einiges schneller und jeder Fehler wird sofort bestraft. In den Ligen darunter werden außerdem leichter Checks gefahren als in der Alps Hockey League – weil die Spieler wissen, wie sie sich bewegen müssen. Es sind immerhin die Hälfte Profis und die wissen schon, wie man Eishockey spielt.

Gibt es – neben der Premiere in der 2. Liga – ein Spiel, an das du dich dein Leben lang erinnern wirst?
KEVIN WIRL: Mir sind die Spiele, in denen ich versagt habe, fast besser in Erinnerung geblieben als die Triumphe. Einmal hab ich in Kapfenberg in einem Finalspiel den entscheidenden Penalty vergeben – das kann ich einfach nicht vergessen. Zum Glück haben wir Spiel fünf daheim dann gewonnen und den Titel geholt.

Gibt es sportliche Wünsche, die unerfüllt geblieben sind? Es gibt ja zum Beispiel noch die EBEL, die DEL oder die NHL.
KEVIN WIRL: Solche Wünsche hat als Kind wahrscheinlich jeder gehabt. Ich weiß nicht, ob man das, was ich gehabt habe, überhaupt Karriere nennen kann. Aber ich bin mit meiner sportlichen Laufbahn zufrieden. Ich habe immer gerne Eishockey gespielt und bin mit dem Verein in den einzelnen Ligen gewachsen. Hätte ich in die EBEL wollen, hätte ich diesen Schritt wohl schon als Kind setzen und nach Salzburg oder sonst wohin wechseln müssen. Dazu ist es nicht gekommen und vermutlich hat mir dazu auch der Biss gefehlt. Ich habe Eishockey nie als Beruf, sondern immer als Hobby gesehen und diese Sichtweise funktioniert in der sehr professionellen Alps Hockey League irgendwann nicht mehr.

Was ist die größte Belastung in der Alps Hockey League für jemanden, der Vollzeit arbeitet?
KEVIN WIRL: Der Zeitaufwand ist riesig. Nicht das regelmäßige Training, aber die Auswärtsfahrten! An Wochenenden gegen drei Uhr früh aus Südtirol oder Mailand heimzukommen ist auf die Dauer zu viel. Vor allem, wenn am Sonntag wieder trainiert wird und am Dienstag das nächste Match ansteht.

Wirst du dir für die kommende Saison ein Abo für die Adler kaufen?
KEVIN WIRL: Ich hoffe, dass ich eines bekommen werde (lacht).

Würdest du dem EC Kitzbühel zutrauen, dass er irgendwann auch den nächsten Schritt gehen kann – also in Richtung EBEL?
KEVIN WIRL: Think big, aber mit Geduld. Vorerst halte ich es für einen großen Erfolg, wenn man heuer in den Play-offs die erste Runde übersteht. Das wäre ein ebenso großer Schritt nach vorne.

Möchtest du den Kitzbüheler Eishockey-Fans etwas mitgeben?
KEVIN WIRL: Danke, es war sehr schön – bis hierher. Alles weitere spare ich mir, denn das hört sich viel zu endgültig an. Stell dir vor, Kitzbühel hat zu Weihnachten 27 Verletzte und ich laufe wieder ein (lacht).



Adler-Präsident Volker Zeh bedankt sich für den Einsatz und das Herzblut das Kevin Wirl bei jedem einzelnen seiner Spiele gezeigt hat. Als Vorbild und Identifikationsfigur für den Nachwuchs war er für die Adlerfamilie ebenfalls sehr wertvoll. „Ich wünsche Kevin alles Gute für die Zukunft und hoffe, dass er aufgrund seiner Verbundenheit mit den Adlern künftig auch in der ein oder anderen Form zur Verfügung stehen wird“, so der Präsident.

Michael Widmoser, der sportliche Leiter, sagt: „Gerade nach der letzten bärenstarken Saison von Kevin ist sein Karriereende ein herber Verlust für die Adler. Für Kevin war der Aufwand neben seinem Job in der Familienfirma enorm und nur schwer zu bewerkstelligen. Umso mehr sind die Leistungen von Kevin über all die Jahre einzuschätzen und ist nun seine Entscheidung kürzer zu treten, zu akzeptieren. Ich bedanke mich im Namen der Kitzbüheler Adler für seinen aufopferungsvollen Einsatz und wünsche ihm weiterhin viel Erfolg im Beruf.“